Muss für Graphic Recording Künsltersozialkasse Abgabe bezahlt werden

Muss für Graphic Recording eine Abgabe an die Künstlersozialkasse (KSK) bezahlt werden?

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Muss für Graphic Recording eine Abgabe an die Künstlersozialkasse (KSK) bezahlt werden?

Muss für Graphic Recording Künstlersozialkasse Abgabe bezahlt werden

Graphic Recording ist eine Methode, die vor ca. 40 Jahren an der Westküste der USA entstand. Es ist also eine junge Disziplin, die dem grösseren Kontext von „Visualisierung” zuzuordnen ist. Graphic Recording ist hauptsächlich ein Einsatzbereich für Prozessbegleiter, Trainer, Berater, Organisationsentwickler. 

Die Kernfähigkeiten für diese Arbeit mit Gruppenprozessen sind Zuhören, Moderieren, Fragenstellen, Meta-Ebenen-Bildung, Mustererkennung, konzeptionelle Fähigkeiten, Menschenkenntnis inkl. Konflikte, Erkennen von Gruppenprozessen, Facilitator-Neutralität, energetische Kompetenzen etc. 

Seit den 70iger Jahren hat sich die neue Disziplin der Visualisierung weiterentwickelt, und im Bereich Facilitation, Moderation, Beratung, Organisationsentwicklung und partizipative Prozesse verbreitet. Die neue Methode wurde in den 1990iger Jahren in den USA recht bekannt und auch von grösseren Beratungshäusern wie Gap Gemini, Ernst & Young etc. regelmäßig eingesetzt. 1995 fand der erste Branchentreff statt („International Forum of Visual Practitioners” (IFVP), was sowas wie die „Illustratorenorganisation für Visualisierer” ist). 

Aufgabe eines Graphic Recorders ist das aktive Zuhören und Darstellen eines Prozesses durch das Werkzeug visueller Moderation. 

Der Graphic Recorder ist von der Haltung also erstmal ein Facilitator (Prozessbegleiter)

Auch dann, wenn er von der Ausbildung her beispielsweise Illustrator sein sollte. Wir bei Visual Facilitators sind uns der Rolle bewusst, mit der wir zum Kunden gehen. Auch wenn wir teilweise Illustratoren beschäftigen, die wir zu visuellen Prozessbegleitern weitergebildet haben. Unsere Kunden können sichergehen, dass wir immer in der Rolle eines Graphic Recorders, und nicht eines Illustrators oder Künstlers arbeiten. 

Der Prozess steht über dem Produkt (Bild) 

Ein Graphic Recorder ist Spezialist in Gruppenprozessen und dem Fördern von Gruppenintelligenz. Und dies tut er durch das Visualisieren. Daher hat der Graphic Recorder als generelle Haltung „Der Gruppenprozess ist wichtiger als das Bild”. Das Bild „dient” dem Gruppenprozess (ähnlich bei einem Trainer am Flipchart). Während der Arbeit nimmt der Graphic Recorder eine Metaperspektive ein, um den Gesamtkontext sowie die verschiedenen Sichtweisen zu erfassen.

Der Fokus liegt damit auch nicht auf dem Urheber. 

Im Gegenteil es ist ein Grundbestandteil der Methoden Visual Facilitation und Graphic Recording, dass man sich als Visualisierender möglichst komplett herausnimmt. Das hat im Skill-Set sogar einen Namen: Es handelt sich um die oben kurz erwähnte Facilitator-Neutralität. Das persönliche Beurteilung, Interpretieren und Verändern des Gehörten oder der Inhalte wird herausgenommen; die Vielfalt der Perspektiven bewusst wahrgenommen. 

Das visualisierte Ergebnis ist auf keinen Fall eine „persönliche geistige Schöpfung” und damit kein geschütztes Werk. Das Endprodukt stellt die Inhalte des vom Auftraggeber erarbeiteten Prozesses dar und damit liegen alle Verwertungsrechte beim Auftraggeber. Umsatzsteuerlich werden die Rechte, die sich aus dem Urheberrechtsgesetz ergeben mit einem ermäßigten Umsatzsteuersatz berechnet. Damit gilt für Arbeiten im Bereich Graphic Recording also der normale Steuersatz von 19% Mehrwertsteuer (wobei natürlich Illustratoren, die die Rolle eines Graphic Recorders einnehmen, auch 7% berechnen können).

Muss für Graphic Recording eine Künstlersozialkasse Abgabe bezahlt werden?

Nein. Die Künstlersozialkasse (KSK) hat schriftlich bestätigt, dass Graphic Recording nicht einer Abgabe unterliegt. Auch bei Betriebsprüfungen durch die Rentenversicherung Bund (zu der die KSK gehört) zeigte sich dass es keine Abgabepflicht gibt – doch es gibt eine Ausnahme: Wenn der Einsatzzweck der Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit dient.

Graphic Recording ist keine künstlerische oder illustrative Tätigkeit.  Zwar gibt es mehr und mehr ausgebildete Illustratoren, die diese Visualisierungsart ausführen, doch hierbei sind sie, wie dargelegt, ausnahmsweise nicht in der Rolle eines Illustrators. Sie tun dies in der Rolle eines Facilitators / Prozessbegleiters, der visualisiert.

Die KSK ist eine wunderbare, sehr wichtige Institution, die einen gesellschaftlichen Beitrag für bestimmte Berufsgruppen hat. Sie basiert auf dem Prinzip, dass Illustratoren, Künstler, etc. Werke erschaffen, bei denen eine Urheberschaft entsteht. Es geht also in gewisser Weise um den Erschaffenden, also den Urheber.

Bei Graphic Recording geht es nicht um den Urheber

Das kann man auch erkennen an den notwendigen Skills eines guten Graphic Recorders. Diese liegen mehrheitlich immer im Prozessbegleiten, Zuhören, usw. und nur sekundär im Bereich „Zeichnen“ (wir sagen „Visualisieren“, da Graphic Recorder ganz viel schreiben). Auch Theorie-Modelle wie Arthur M. Young’s Theory of Process, Alfred Korzybski’s General Semantics und vieles mehr sind in die Entwicklung und Ausbildung von Graphic Recording eingeflossen und prägen dieses mehr als man beim visuellen Betrachten denkt.

Graphic Recording: keine Abgabe an die Künstlersozialkasse

Aus genannten Gründen müssen Einkäufer und Kunden für Graphic Recording keine Abgabe an die KSK zahlen. Und gleichzeitig unterstützen wir bei Visual Facilitators voll und ganz Prinzip und Idee der Künstlersozialkasse und freuen uns, dass Illustratoren, die auch Graphic Recording anbieten, dort versichert sind. Da die KSK mit einem Umlageprinzip arbeitet, ist dies auch kein Widerspruch.

Wir haben bei den Erfindern und Pionieren von Graphic Recording gelernt und üben diese Arbeit so aus, wie sie einmal erfunden wurde. Wir leben also voll und ganz die beschriebene originäre Haltung und Intention von Graphic Recording. Uns ist bewusst, daß wir uns als Visual Facilitators in einer kreativen Koexistenz mit vielen weiteren Kollegen und Kolleginnen und Visual Practitioners bewegen. Dafür sind wir sehr dankbar und wir achten und schätzen Graphic Recorder, die zum Thema Graphic Recording und Künstlersozialkasse anders denken.

 

Abgrenzung: Dieser Beitrag bezieht sich nur auf Graphic Recording. Weitere Visualisierungsarten haben evtl. ähnliche, oder andere Bestimmungen. 

Graphic Recording Badge | Qualitätsauszeichnung

 

Nahezu aller unserer Graphic Recorder sind von uns intern mit den wichtigsten erwähnten Skills ausgebildet worden. Unsere Fähigkeit, Lösungen für unsere Kunden zu bieten, ist direkt proportional zu unserer Fähigkeit, uns zu entwickeln. Dazu gehört der bewusst gelebte Spagat zwischen den Ur-Wurzeln von Graphic Recording und den Ausprägungen und Nutzungsarten der heutigen Zeit.

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