Spirit, Herz und Kernbotschaften – Transportiert im Erklärfilm / Erklärvideo

2018-07-05T17:38:52+00:00 15. Mai, 2018|Categories: #erklärfilm|Tags: , , , |

von Eckhard Feist 6–7 minutes to read

Von Anfang an faszinierte mich die Möglichkeit, einem Wust einzelner Filmsequenzen durch die Montage einen (Erzähl-)Fluss zu geben, der – idealtypisch – Bilder und Inhalt in einen dynamischen und aussagekräftigen Zusammenhang bringt. Dabei war ich mir schnell der Kraft dieses manipulativen Eingriffs bewusst – insbesondere als ich viel später unzählige Clips zu Entwicklungen und Change-Prozessen in Unternehmen erstellte.

Im Auftrag einer international aufgestellten Unternehmensberatung ging es vornehmlich darum, alte Strukturen für die Kraft sogenannter „soft skills“zu öffnen. Die Wertschätzung des einzelnen Mitarbeiters und dessen individueller Qualitäten und Kompetenzen wirkt sich unmittelbar auf Stimmung, Gesundheitszustand und Leistungsbereitschaft aus, kann einem Unternehmen wertvolle neue Erkenntnisse verschaffen ­– Stichwort „Schwarmintelligenz“ – und ganz nebenbei die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens steigern.

Warum vermag nun ein Film-Clip in diesem Zusammenhang so manches Mal mehr zu bewirken, als das langatmige Einschwören der CEOs auf einen Kultur- oder Paradigmen-wechsel im Unternehmen?

Filme haben den unschätzbaren Vorteil, dass sie sich mehrerer Kommunikationsstrategien gleichzeitig bedienen können. Nicht nur die vielfältigen Statements der Mitarbeiter hinterlassen eine Wirkung beim Zuschauer, sondern der Gesamteindruck von Bildern, Rhythmus, Musik und Stimmung.

Weil viele unterschiedliche Menschen zu Wort kommen, ändert sich die Perspektive laufend. Im besten Fall regt das Statement eines Kollegen zur vertieften Reflexion an; Meinungen und Konzepte dürfen hinterfragt werden. Ein Clip ist also viel „demokratischer“.

Weil vorausgesetzt werden kann, dass alle Teilnehmer eines (Führungs-)Workshops einen vergleichbaren Informationsstand haben, muss ein Film dieser Art kein umfangreiches Hintergrundwissen vermitteln. Er kann sich auf pointierte Aussagen konzentrieren, die sich mit dem Veränderungen fordernden Status Quo befassen. Er kann die zweistündige Manager-Übung im Feld, die zu mehr Vertrauen und Teamwork führt, als rhythmisch und inhaltlich eindrucksvollen Musikclip erzählen – ohne Worte – und erzielt damit einen viel direktere Wirkung als lange Appelle zu dem gleichen Thema. Er kann humorvolle Situationen zeigen ohne bloßzustellen und sogar neue (Sinn-)Zusammenhänge herstellen, die sich aus dem Kontext ergeben, aber während der Veranstaltung noch nicht sichtbar waren.

Als bei einer Veranstaltung zu Beginn der Film des vorausgegangenen, ereignisreichen Führungskräftetreffens gezeigt wurde, wurde von vielen Seiten bemerkt, dass der Film mehr Spirit hätte, als die Veranstaltung selbst. Er wurde mehrfach für die tägliche Arbeit angefordert, da er den Mitarbeitern, die bei diesen Treffen nicht anwesend waren, in überzeugender und knapper Form zeigen konnte, an welchen Themen ihre Vorgesetzten arbeiten.

Ein anderes Mal sollte eine Unternehmensberatung ihre Beratungstätigkeit einstellen – der Kunde hatte kein großes Vertrauen in das verwendete Tool. Erst der Film, der die – nach anfänglicher kritischer Distanz – begeisternden Teilnehmer zeigte, veranlasste das Unternehmen zu einer Kehrtwende.

Wenn so etwas passiert, dann hat ein Film seine Aufgabe voll erfüllt.

Auch wenn diese Clips keine klassischen Erklärfilme waren, so lassen sich doch wesentliche Aspekte wiederfinden: kurze Analyse der Ausgangssituation und der inhärenten Probleme, das Aufzeigen von Änderungsbedarf häufig gestützt durch Umfragen, Statistiken, Vergleiche etc., das Angebot von Lösungsalternativen, das Erwecken von Begeisterung und aktiver Unterstützung für Neues.

Als nun die Nachfrage nach handgezeichneten Erklärfilmen in den vergangenen Jahren zunahm, war es für mich inhaltlich keine allzu große Umstellung. Und doch gab es ein paar neue Herausforderungen, die über das Technische hinausgingen.

Ein Clip, der den Merger zweier Großbanken mit sehr unterschiedlich gewachsenen Strukturen und Kulturen zum Thema hatte, sollte zunächst – gewollt überzeichnet – die jeweils von der anderen Seite gesehenen „Eigenarten“ skizzieren. Von der Übertreibung versprach man sich neben dem amüsanten Nebeneffekt eine breite Zustimmung von allen Seiten: über eine karikaturistische Darstellung müssen alle lachen – und lachende Menschen sind eher offen für Neues. Das andere Moment, das es zu beachten gilt, ist allerdings die Betroffenheit. Vereinfacht gesprochen: der Rohschnitt führte dazu, dass man jeweils die andere Seite als gut getroffen empfand und herzlich darüber lachen konnte, aber die eigene als zu klischeehaft empfand.

Der finale Clip war immer noch gut und amüsant, aber so manchen Dialogen fehlte die Würze, Situationen wurden entschärft und dadurch langatmig und am Ende wurde ein Zusammengehörigkeitsritual eingebaut, das den gelungenen Merger vorwegnehmen sollte – begleitet von rhetorischen Fragen, deren Antwort gleich mitgeliefert wurde. Hier wurde es meines Erachtens verpasst, einmal grundehrlich jenseits aller Befindlichkeiten bestehende Hindernisse – bewusste und unbewusste – zu thematisieren. Die Übertreibung hätte hier ein gutes Mittel sein können, sich den wesentlichen Themen mit Humor und Selbstironie zu nähern.

Eine weitere wichtige Erkenntnis: die Auftraggeber – sei es das Unternehmen oder die Beratungsfirma – sind (in der Regel) keine Drehbuchautoren. Gut illustrierte und animierte Szenen mit passender Musik ächzen so manches Mal unter hölzernen Dialogideen, Musiken werden ausgetauscht, Bilder neu gezeichnet. Aber selbst, wenn unsere Zunft der Kreativen unter der vermeintlichen Verschlimmbesserung leidet – nicht selten sind die Filme große Erfolge. Warum? Ich denke, die Unternehmensmitarbeiter finden sich wieder, vielleicht sogar in manch „hölzernen“ Dialogen, die zwar in kein Drehbuch gehören, aber vielleicht durchaus zur Firmenrealität.

Heutzutage überschwemmen Erklärfilme den Markt – und es lohnt, einmal einen Blick auf Qualität zu werfen. Woran erkennt ein Auftraggeber einen guten Erklärfilm?

Zunächst einmal ist ein Erklärfilm Teamarbeit. Kenntnisse von Marktzusammenhängen und die Fähigkeit, sich in Themen schnell einarbeiten zu können, sind unbedingte Voraussetzung. Ebenso die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erfassen und diese einfach und sinnfällig darstellen zu können.

Der Projektleiter, der mit dem Kunden ein umsetzungsfähiges Skript erarbeitet, der Illustrator mit seinen vielfältigen Ideen zur Visualisierung, der Animator, der gezeichneten Charakteren Leben einhaucht, der Editor, der mit Animation, Montage und ggf. einer passenden Musik den Filmrhythmus gestaltet, die professionellen Sprecher – sie alle tragen dazu bei, dass der Film mehr wird, als nur die bebilderte Idee des Kunden.

Worin besteht der Unterschied zwischen einem guten Fernsehfilm und dem eigenen Urlaubsvideo?

Es ist nicht primär der schlechte Ton und die wackelnde Handkamera des letzteren, die den entscheidenden Unterschied ausmachen, sondern vielmehr die Tatsache, dass der Laie das filmt, was er gerne sieht und davon häufig sehr viel.

Dem Profi stehen deutlich mehr Perspektiven, Erzählebenen und Schnitttechniken zur Verfügung, um eine dichten Erzählrhythmus zu schaffen, der dann nicht nur den Auftraggeber, sondern möglichst auch viele seiner Kollegen und Mitarbeiter begeistert.

Für uns ist ein Film gelungen, wenn die Zielgruppe sagt: „Toll – kann ich den nochmal sehen?“ und der Auftraggeber bestätigt: Kommunikationsziele voll und ganz erreicht!

Beispiel für einen Premium Erklärfilm: Ein solches Video zeichnet sich aus durch präziseste Synchronisierung von Text und Bild, hochwertige Illustration und Animation, sowie gekonntes Übersetzen eines komplexen Themas in Verständlichkeit.